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Kopfschmerzen oder Migräne? Der Unterschied

Spannungskopfschmerz drückt beidseitig und dumpf, Migräne pocht meist einseitig mit Übelkeit und Lichtempfindlichkeit.

19. Mai 2026 · 6 Min. Lesezeit

Gut zu wissen

Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden, starken oder ungewöhnlichen Beschwerden lassen Sie sich ärztlich untersuchen.

Inhalt dieses Beitrags
  1. Die häufigsten Kopfschmerzarten
  2. Spannungskopfschmerz vs. Migräne: Vergleich
  3. Typische Auslöser erkennen
  4. Was bei welchem Typ hilft
  5. Wann Schmerzmittel und wann nicht
  6. Rote Flaggen: sofort zum Arzt
  7. Vorbeugen: Schlaf, Trinken, Stress

Ein dumpfer Druck, der sich wie ein zu enges Stirnband anfühlt. Oder ein pochender Schmerz auf einer Kopfseite, begleitet von Übelkeit und dem Wunsch, sich in einem abgedunkelten Zimmer hinzulegen. Beides sind Kopfschmerzen, doch dahinter stecken meist verschiedene Formen mit verschiedenen Mechanismen. Wer die eigene Kopfschmerzart grob einordnen kann, findet leichter heraus, was im Akutfall hilft und ab wann ein Arztbesuch sinnvoll ist. Dieser Beitrag hilft bei der Unterscheidung der beiden häufigsten Formen und zeigt, welche Warnzeichen Sie ernst nehmen sollten.

Die häufigsten Kopfschmerzarten

Fachleute unterscheiden mehr als 200 Kopfschmerzformen. Für den Alltag sind vor allem zwei davon relevant. Am weitesten verbreitet ist der Spannungskopfschmerz, ein meist beidseitiger, drückender Schmerz von leichter bis mittlerer Stärke. Die zweithäufigste eigenständige Form ist die Migräne, eine oft anfallartige, pulsierende Kopfschmerzerkrankung, die den Alltag stark einschränken kann.

Beide zählen zu den sogenannten primären Kopfschmerzen. Der Schmerz ist hier die Erkrankung selbst und keine Folge einer anderen Ursache. Davon abzugrenzen sind sekundäre Kopfschmerzen, die zum Beispiel bei einem Infekt, nach einem Sturz oder durch andere Erkrankungen entstehen. Seltener, aber sehr heftig ist der Cluster-Kopfschmerz mit streng einseitigem Schmerz um ein Auge, oft begleitet von einem tränenden Auge und einer verstopften Nase. Ausführliche, geprüfte Übersichten bieten das Portal gesundheitsinformation.de des IQWiG und die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft.

Spannungskopfschmerz vs. Migräne: Vergleich

Für eine erste Einordnung helfen drei Fragen:

  1. Wo und wie tut es weh? Beidseitiger, dumpfer Druck spricht eher für Spannungskopfschmerz, einseitiges Pochen eher für Migräne.
  2. Wird der Schmerz bei Bewegung schlimmer? Migräne verstärkt sich typischerweise beim Treppensteigen oder Bücken, Spannungskopfschmerz bleibt meist gleich.
  3. Kommt etwas hinzu? Übelkeit sowie ausgeprägte Licht- und Geräuschempfindlichkeit sprechen für Migräne.

Die folgende Tabelle fasst die typischen Unterschiede zusammen. Sie ersetzt keine Diagnose, gibt aber eine gute Orientierung.

MerkmalSpannungskopfschmerzMigräne
Ortmeist beidseitig, oft wie ein Band um den Kopfhäufig einseitig, kann die Seite wechseln
Schmerzcharakterdumpf, drückend, ziehendpochend, pulsierend, hämmernd
Stärkeleicht bis mittelmittel bis stark
Bei Bewegungbleibt meist gleichwird oft schlimmer (Treppen, Bücken)
Begleitsymptomeselten, allenfalls leichte Licht- oder GeräuschempfindlichkeitÜbelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, manchmal Aura
Dauer30 Minuten bis mehrere Tage4 bis 72 Stunden pro Attacke
Alltagmeist weiter möglichoft stark eingeschränkt, Rückzug nötig

Die Grenzen sind nicht immer scharf. Manche Menschen haben beide Kopfschmerzarten, und eine Migräne kann sich bei Kindern auch beidseitig zeigen. Ein Teil der Betroffenen erlebt vor der Migräne eine sogenannte Aura mit Sehstörungen wie Flimmern oder Zickzacklinien, die in der Regel nach spätestens einer Stunde wieder abklingt.

Typische Auslöser erkennen

Auslöser sind individuell verschieden, lassen sich aber oft mit etwas Beobachtung eingrenzen. Beim Spannungskopfschmerz stehen Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich, langes Sitzen am Bildschirm, Stress und Schlafmangel im Vordergrund.

Migräneattacken werden häufig durch einen unregelmäßigen Rhythmus begünstigt: ausgelassene Mahlzeiten, zu wenig Trinken, Schlafmangel oder auch zu viel Schlaf am Wochenende. Auffällig ist, dass Migräne oft nicht auf dem Höhepunkt der Belastung auftritt, sondern in der Entspannungsphase danach, etwa am freien Samstag. Auch hormonelle Schwankungen rund um die Menstruation und Alkohol, besonders Rotwein, werden häufig genannt. Für viele vermutete Nahrungsmittelauslöser ist die Studienlage dagegen dünn, hier lohnt sich das genaue Hinsehen im Einzelfall.

Ein einfaches Kopfschmerz- oder Migränetagebuch, in dem Sie über einige Wochen Zeitpunkt, Dauer, Stärke, Schlaf, Mahlzeiten und Belastung notieren, macht persönliche Muster sichtbar. Das ist auch für ein ärztliches Gespräch wertvoll.

Was bei welchem Typ hilft

Bei einem leichten Spannungskopfschmerz hilft vielen Menschen Bewegung an der frischen Luft, eine Pause vom Bildschirm und bewusste Lockerung von Nacken und Schultern. Auch Wärme im Schulterbereich und Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelentspannung werden häufig als angenehm empfunden. Pfefferminzöl auf Stirn und Schläfen wird in Leitlinien als eine mögliche äußerliche Maßnahme genannt.

Bei einer Migräneattacke ist oft das Gegenteil das Richtige: Reizabschirmung statt Aktivität. Viele Betroffene ziehen sich in einen dunklen, ruhigen Raum zurück, legen sich hin und empfinden Schlaf oder eine kühle Kompresse auf der Stirn als wohltuend. Körperliche Anstrengung verschlimmert die Migräne dagegen meist. Wichtig ist, die Attacke früh zu erkennen und sich rechtzeitig zurückzuziehen, statt gegen den Schmerz anzukämpfen.

Wann Schmerzmittel und wann nicht

Rezeptfreie Schmerzmittel können bei gelegentlichen Spannungskopfschmerzen und leichten Migräneattacken sinnvoll sein. Wenn Sie sie einsetzen, dann früh und für kurze Zeit. Lassen Sie sich in der Apotheke oder ärztlich beraten, welches Mittel für Sie geeignet ist, und beachten Sie die Angaben in der Packungsbeilage.

Entscheidend ist die Häufigkeit. Wer zu oft zu Schmerzmitteln greift, riskiert einen Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch, der die Beschwerden dann sogar unterhält. Als Faustregel gilt, akute Schmerz- oder Migränemittel in der Regel an nicht mehr als etwa zehn Tagen im Monat einzunehmen. Wenn Sie regelmäßig Tabletten brauchen oder die Kopfschmerzen an mehr als drei Tagen im Monat auftreten, sprechen Sie ärztlich darüber. Für die Migräne gibt es zudem verschreibungspflichtige Wirkstoffe und vorbeugende Behandlungen, die individuell ärztlich abgestimmt werden.

Rote Flaggen: sofort zum Arzt

Die allermeisten Kopfschmerzen sind harmlos, auch wenn sie unangenehm sind. Einige Zeichen deuten jedoch auf eine ernstere Ursache hin und gehören ärztlich abgeklärt, manche davon sofort:

  • Ein schlagartig einsetzender, extrem starker Kopfschmerz, der innerhalb von Sekunden sein Maximum erreicht (Donnerschlagkopfschmerz): rufen Sie den Notruf 112.
  • Kopfschmerz mit hohem Fieber und steifem Nacken.
  • Kopfschmerz zusammen mit Lähmungen, Taubheitsgefühlen, Sprach-, Seh- oder Bewusstseinsstörungen.
  • Kopfschmerz nach einem Sturz oder einem Schlag auf den Kopf.
  • Erstmals auftretende, ungewohnt starke Kopfschmerzen ab etwa dem 50. Lebensjahr.
  • Kopfschmerzen, die über Tage stetig zunehmen oder sich in Muster und Stärke deutlich verändern.

Auch bei Kopfschmerzen in der Schwangerschaft oder bei einer bekannten Grunderkrankung ist ärztlicher Rat ratsam.

Vorbeugen: Schlaf, Trinken, Stress

Gegen beide Kopfschmerzarten wirkt am besten ein regelmäßiger Alltag. Ein stabiler Schlafrhythmus mit möglichst gleichen Zeiten senkt bei vielen Menschen die Anfälligkeit, praktische Hinweise dazu finden Sie im Beitrag zu besserem Schlaf. Achten Sie außerdem über den Tag verteilt auf ausreichend Flüssigkeit, denn Flüssigkeitsmangel ist ein häufiger und leicht vermeidbarer Auslöser; wie viel sinnvoll ist, lesen Sie unter wie viel Wasser am Tag.

Auch Stress senkt bei beiden Formen die Schwelle, ab der der Schmerz auftritt. Regelmäßige Bewegung, kurze Pausen und Entspannungsverfahren helfen, das Anspannungsniveau zu senken; konkrete Ansätze beschreibt der Beitrag über Stress und Cortisol. Für die Migräne gilt zusätzlich regelmäßiger Ausdauersport als vorbeugend wirksam, ebenso feste Mahlzeiten und ein zurückhaltender Umgang mit Schmerzmitteln.

Wenn Kopfschmerzen häufig wiederkehren, stark sind oder Ihren Alltag beeinträchtigen, lassen Sie die Ursache ärztlich abklären. Eine genaue Einordnung ist die Grundlage für eine wirksame Behandlung, und dieser Text ersetzt sie nicht.

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