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Bluthochdruck: Werte richtig einordnen

Ab 140/90 mmHg spricht man von Bluthochdruck, der still Organe schädigt, sich aber oft schon mit Lebensstil senken lässt.

18. März 2025 · 6 Min. Lesezeit

Gut zu wissen

Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden, starken oder ungewöhnlichen Beschwerden lassen Sie sich ärztlich untersuchen.

Inhalt dieses Beitrags
  1. Was Blutdruck ist und was die Zahlen bedeuten
  2. Bluthochdruck-Werte: Normal- und Grenzwerte in der Tabelle
  3. Richtig messen: die häufigsten Fehler
  4. Warum Bluthochdruck gefährlich ist
  5. Lebensstil: was wie viel mmHg senkt
  6. Wann Medikamente nötig werden
  7. Selbst kontrollieren: so gehen Sie vor

Ein Messgerät aus dem Drogeriemarkt, der Automat in der Apotheke oder eine Routinekontrolle in der Praxis: Oft erfährt man eher beiläufig, dass der eigene Blutdruck erhöht ist. Dann steht eine Zahl wie 148 zu 92 im Raum, und die Frage lautet fast immer gleich: Ist das schon Bluthochdruck, und wie ernst ist es? Dieser Beitrag ordnet die Werte ein, zeigt die häufigste Fehlerquelle beim Messen und macht deutlich, welche Lebensstiländerung wie viel bringt.

Was Blutdruck ist und was die Zahlen bedeuten

Blutdruck ist der Druck, mit dem das Blut gegen die Gefäßwände drückt, während das Herz es durch den Körper pumpt. Angegeben wird er in Millimeter Quecksilbersäule, abgekürzt mmHg. Sie erhalten immer zwei Werte, etwa 130 zu 85.

Der erste, höhere Wert ist der systolische Druck. Er entsteht, wenn sich das Herz zusammenzieht und Blut in die Gefäße auswirft. Der zweite, niedrigere Wert ist der diastolische Druck. Er zeigt den Druck in der Entspannungsphase, wenn sich das Herz wieder mit Blut füllt. Beide Werte schwanken über den Tag, mit Belastung, Aufregung, Kälte oder nach dem Kaffee. Entscheidend ist deshalb nie eine einzelne Messung, sondern das Muster aus mehreren Werten in Ruhe.

Bluthochdruck-Werte: Normal- und Grenzwerte in der Tabelle

Für die Einordnung in der Arztpraxis gelten seit Jahren feste Kategorien der europäischen Fachgesellschaften. Sie helfen, einen Messwert grob einzusortieren.

KategorieSystolisch (oberer Wert)Diastolisch (unterer Wert)
Optimalunter 120und unter 80
Normal120 bis 129und/oder 80 bis 84
Hochnormal130 bis 139und/oder 85 bis 89
Bluthochdruck Grad 1140 bis 159und/oder 90 bis 99
Bluthochdruck Grad 2160 bis 179und/oder 100 bis 109
Bluthochdruck Grad 3ab 180und/oder ab 110

Ab 140 zu 90 mmHg in der Praxis spricht man von Bluthochdruck (Hypertonie). Es reicht dabei, wenn nur einer der beiden Werte über der Grenze liegt. Bei älteren Menschen ist häufig allein der obere Wert erhöht, während der untere normal bleibt. Das nennt man isolierte systolische Hypertonie und sollte ebenfalls ernst genommen werden.

Wichtig für den Alltag: Zu Hause gelten niedrigere Grenzwerte, weil die Anspannung in der Praxis fehlt. Für Messungen daheim gilt bereits ein Mittelwert ab etwa 135 zu 85 mmHg als zu hoch.

Die europäischen Fachgesellschaften haben 2024 zusätzlich ein vereinfachtes Schema mit einer eigenen Zwischenkategorie für erhöhten Blutdruck vorgestellt. Für die Einordnung in Deutschland bleibt die hier gezeigte Gradeinteilung, wie sie die Deutsche Hochdruckliga verwendet, aber weiterhin maßgeblich.

Richtig messen: die häufigsten Fehler

Die häufigste Ursache für falsche Werte ist nicht das Gerät, sondern die Messtechnik. Schon eine falsche Manschette oder Reden während der Messung verschiebt das Ergebnis um mehrere mmHg nach oben. So messen Sie sauber:

  • Setzen Sie sich fünf Minuten ruhig hin, bevor Sie messen. Vorher keine Zigarette, kein Kaffee, kein Sport.
  • Gehen Sie vorher zur Toilette. Eine volle Blase treibt den Wert nach oben.
  • Legen Sie den Arm entspannt auf den Tisch, sodass die Manschette etwa auf Herzhöhe liegt.
  • Achten Sie auf die richtige Manschettengröße. Eine zu kleine Manschette am kräftigen Oberarm zeigt fälschlich zu hohe Werte.
  • Stützen Sie den Rücken, stellen Sie beide Füße flach auf den Boden und schlagen Sie die Beine nicht übereinander.
  • Sprechen Sie während der Messung nicht und schauen Sie nicht aufs Handy.
  • Messen Sie zwei- bis dreimal im Abstand von ein bis zwei Minuten und notieren Sie den Mittelwert.

Oberarmgeräte gelten als zuverlässiger als Geräte fürs Handgelenk. Ein einzelner hoher Wert nach einer stressigen Situation ist noch keine Diagnose. Aussagekräftig wird das Bild erst über mehrere Tage.

Warum Bluthochdruck gefährlich ist

Bluthochdruck tut in der Regel nicht weh. Genau das macht ihn tückisch, denn viele Betroffene fühlen sich lange völlig gesund. In dieser Zeit belastet der dauerhaft erhöhte Druck jedoch still die Gefäße und Organe.

Über Jahre schädigt zu hoher Blutdruck vor allem die Blutgefäße und begünstigt Ablagerungen an den Gefäßwänden. Daraus entsteht ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche, Nierenschäden und Durchblutungsstörungen. Auch die Augen können leiden. Laut Robert Koch-Institut ist etwa jeder dritte Erwachsene in Deutschland betroffen, viele davon ohne es zu wissen. Genau deshalb lohnt es sich, die Werte zu kennen, statt sie zu verdrängen. Der gute Teil der Nachricht: Wer den Druck senkt, senkt auch dieses Risiko messbar.

Lebensstil: was wie viel mmHg senkt

Bevor über Medikamente gesprochen wird, steht bei leicht erhöhten Werten meist der Lebensstil im Vordergrund. Die folgenden Effekte sind Durchschnittswerte aus Studien und Leitlinien. Sie fallen individuell unterschiedlich aus, summieren sich aber, wenn man mehrere Punkte kombiniert.

  • Gewicht senken: Pro verlorenem Kilogramm sinkt der obere Wert im Schnitt um etwa 1 mmHg. Bei deutlichem Übergewicht ist der Effekt entsprechend größer.
  • Salz reduzieren: Weniger Salz, vor allem aus Fertigprodukten, Brot und Wurst, senkt den Druck im Mittel um rund 4 bis 5 mmHg. Manche Menschen reagieren stärker darauf als andere.
  • Mehr Gemüse und Ballaststoffe: Eine gemüse-, obst- und ballaststoffreiche Kost nach dem sogenannten DASH-Prinzip kann den oberen Wert um bis zu etwa 11 mmHg senken.
  • Regelmäßige Bewegung: Ausdauerbewegung wie zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen bringt im Schnitt etwa 4 bis 8 mmHg. Warum die verbreitete Schrittzahl weniger magisch ist als gedacht, lesen Sie im Beitrag zum 10000-Schritte-Mythos.
  • Alkohol begrenzen: Wer viel trinkt und reduziert, kann mit ungefähr 4 mmHg weniger rechnen.
  • Nicht rauchen: Nikotin lässt den Druck kurzfristig steigen. Wichtiger noch: Ein Rauchstopp senkt das gesamte Herz-Kreislauf-Risiko deutlich.

Weniger Salz und mehr Gemüse wirken sich zugleich günstig auf die Blutfette aus, wie der Beitrag zum Cholesterin senken zeigt. Lebensstil ist damit kein Ersatz für alles, aber ein starker und oft unterschätzter Hebel.

Wann Medikamente nötig werden

Ob und wann Medikamente sinnvoll sind, entscheidet nicht der Blutdruckwert allein, sondern das Gesamtrisiko. Dazu zählen Alter, Rauchen, Diabetes, Cholesterin, Nierenfunktion und bereits durchgemachte Ereignisse wie ein Herzinfarkt.

Bei leicht erhöhtem Druck (Grad 1) und geringem Risiko empfehlen Leitlinien häufig, zunächst mehrere Wochen konsequent am Lebensstil zu arbeiten und dann neu zu bewerten. Bleiben die Werte zu hoch oder ist das Risiko von vornherein hoch, kommen Medikamente ins Spiel. Bei Grad 2 und Grad 3 wird meist rascher medikamentös behandelt, in der Regel zusätzlich zum Lebensstil. Welches Mittel in welcher Dosis passt, ist eine individuelle ärztliche Entscheidung und gehört nicht in die Selbstbehandlung.

Ein Sonderfall braucht schnelles Handeln: Steigt der Druck sehr stark an, etwa auf Werte ab 180 zu 120 mmHg, und kommen Beschwerden wie heftige Kopfschmerzen, Sehstörungen, Brustschmerz oder Atemnot hinzu, sollten Sie umgehend ärztliche Hilfe suchen oder den Notruf wählen.

Selbst kontrollieren: so gehen Sie vor

Wer seine Werte im Blick behalten will, muss nicht ständig messen, sondern gezielt. Ein bewährtes Vorgehen sieht so aus:

  • Messen Sie über sieben Tage jeweils morgens und abends, je zwei Messungen kurz hintereinander.
  • Notieren Sie alle Werte mit Datum und Uhrzeit in einem einfachen Blutdruckpass oder einer App.
  • Bilden Sie am Ende den Mittelwert und lassen Sie diesen ärztlich einordnen. So fällt auch ein reiner Praxiseffekt auf, bei dem der Druck nur in der Praxis erhöht ist.

Diese Selbstkontrolle ersetzt keine ärztliche Untersuchung, sondern ergänzt sie. Sie hilft, den Verlauf zu sehen und den Erfolg von Änderungen zu erkennen. Ein guter Anlass für eine gründliche Bestandsaufnahme ist der kostenlose Gesundheits-Check-up ab 35, bei dem der Blutdruck routinemäßig mit erfasst wird. Bei anhaltend erhöhten Werten, starken Beschwerden oder Unsicherheit gehört das ärztlich abgeklärt. Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung.

Unabhängige, geprüfte Informationen bieten das Portal gesundheitsinformation.de des IQWiG, die Deutsche Herzstiftung und die Deutsche Hochdruckliga. Die Kategorien und Grenzwerte folgen den Leitlinien der europäischen Fachgesellschaften für Bluthochdruck.

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