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Vorsorge & Früherkennung

Impfungen für Erwachsene: Was ist nötig?

Auch als Erwachsener brauchen Sie Auffrischungen, vor allem Tetanus-Diphtherie alle zehn Jahre und je nach Alter Grippe und Gürtelrose.

18. November 2025 · 5 Min. Lesezeit

Gut zu wissen

Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden, starken oder ungewöhnlichen Beschwerden lassen Sie sich ärztlich untersuchen.

Inhalt dieses Beitrags
  1. Warum auch Erwachsene Impfungen brauchen
  2. Der Impfpass-Check: Was fehlt Ihnen?
  3. Standard: Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten
  4. Grippe und Corona: für wen sinnvoll
  5. Gürtelrose und Pneumokokken ab 60
  6. Impfungen nach Lebenslage und Reise
  7. So holen Sie Versäumtes nach

Viele Menschen verbinden Impfungen mit der Kindheit: Masern, Tetanus, der gelbe Ausweis in der Schublade. Als Erwachsener gerät das Thema oft in Vergessenheit, bis eine tiefe Schnittwunde die Frage aufwirft, wann die letzte Tetanusimpfung eigentlich war. Der Schutz endet aber nicht mit dem 18. Geburtstag. Einige Impfungen müssen regelmäßig aufgefrischt werden, andere kommen erst im mittleren oder höheren Alter dazu. Dieser Beitrag ordnet ein, welche Impfungen für Erwachsene die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt und wann sie sinnvoll sind.

Warum auch Erwachsene Impfungen brauchen

Der Schutz durch eine Impfung hält nicht bei jedem Erreger ein Leben lang. Bei manchen lässt die Abwehr mit den Jahren nach, deshalb sind Auffrischungen nötig. Gleichzeitig verändert sich das Immunsystem mit dem Alter: Es reagiert langsamer und weniger kräftig auf Krankheitserreger. Ältere Menschen erkranken dadurch häufiger schwer an Infektionen wie Grippe oder Lungenentzündung. Impfungen können solche Verläufe abmildern.

Ein zweiter Grund ist der Gemeinschaftsschutz. Wer geimpft ist, gibt Erreger seltener weiter und schützt damit auch Menschen, die selbst nicht geimpft werden können, etwa Neugeborene oder Menschen mit geschwächter Abwehr. Die Empfehlungen der STIKO beruhen auf der Auswertung großer Datenmengen und werden jährlich überprüft. Sie bilden auch die Grundlage dafür, welche Impfungen die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen.

Der Impfpass-Check: Was fehlt Ihnen?

Der erste Schritt ist einfacher, als viele denken: Suchen Sie Ihren Impfpass. Das gelbe Heft dokumentiert, welche Impfungen Sie wann bekommen haben. Fehlt der Ausweis, ist das kein Grund zur Sorge. Eine ärztliche Praxis kann fehlende Einträge oft rekonstruieren oder den Schutz im Zweifel neu aufbauen. Eine zusätzliche Impfung schadet in der Regel nicht.

Ein kurzer Selbstcheck hilft beim Sortieren:

  • Wann war die letzte Auffrischung gegen Tetanus und Diphtherie? (Empfohlen alle zehn Jahre)
  • Sind Sie einmal im Erwachsenenalter gegen Keuchhusten (Pertussis) geimpft?
  • Bei Geburt nach 1970: Haben Sie zwei dokumentierte Masernimpfungen?
  • Ab 60 Jahren: Besteht Schutz gegen Grippe, Gürtelrose und Pneumokokken?
  • Liegen chronische Erkrankungen vor, die zusätzliche Impfungen sinnvoll machen?

Bringen Sie den Impfpass zum nächsten Arzttermin mit, zum Beispiel zum Check-up ab 35. Die Praxis gleicht Ihre Einträge mit dem aktuellen Impfkalender ab und sieht, was fehlt. So verbinden Sie zwei Vorsorgeanlässe sinnvoll.

Standard: Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten

Die wichtigste Auffrischung im Erwachsenenalter betrifft drei Erreger zugleich. Tetanus (Wundstarrkrampf) und Diphtherie werden laut STIKO alle zehn Jahre aufgefrischt, meist als Kombinationsimpfung. Tetanusbakterien stecken im Boden und gelangen über Wunden in den Körper, eine Ansteckung von Mensch zu Mensch gibt es nicht. Gerade deshalb ist der eigene Impfschutz entscheidend, denn die Erkrankung verläuft häufig schwer.

Die STIKO empfiehlt, die nächste fällige Auffrischung einmalig zusammen mit einer Keuchhusten-Komponente (Pertussis) zu geben. Keuchhusten ist für Erwachsene meist unangenehm, aber selten gefährlich. Riskant wird er für Säuglinge, die sich oft bei Erwachsenen anstecken. Wer Kontakt zu einem Neugeborenen erwartet, etwa als werdende Eltern oder Großeltern, sollte den Schutz vorher prüfen lassen. Für Schwangere ist eine Keuchhustenimpfung in jeder Schwangerschaft empfohlen, um den Säugling in den ersten Lebenswochen zu schützen.

Grippe und Corona: für wen sinnvoll

Die Grippeimpfung (Influenza) empfiehlt die STIKO gezielt für bestimmte Gruppen. Dazu zählen alle Menschen ab 60 Jahren, Schwangere, Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen sowie Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Asthma, Diabetes oder Herzschwäche. Auch medizinisches Personal gehört dazu. Die Impfung wird jedes Jahr im Herbst erneuert, weil sich die Grippeviren ständig verändern und der Schutz nachlässt. Ein guter Zeitraum liegt zwischen Oktober und Dezember. Warum sich eine echte Grippe von einem gewöhnlichen Infekt unterscheidet, ist dabei hilfreich zu wissen.

Bei Corona (COVID-19) empfiehlt die STIKO für gesunde Erwachsene unter 60 nach einer Grundimmunität keine regelmäßige Auffrischung mehr. Für Menschen ab 60 Jahren sowie für Personen mit Grunderkrankungen oder geschwächtem Immunsystem ist dagegen eine jährliche Auffrischung vorgesehen, am besten im Herbst gemeinsam mit der Grippeimpfung. Ob eine Impfung für Sie persönlich sinnvoll ist, klären Sie am besten in der ärztlichen Praxis.

Gürtelrose und Pneumokokken ab 60

Mit steigendem Alter kommen zwei weitere Standardimpfungen hinzu. Die Gürtelrose (Herpes zoster) entsteht durch eine Reaktivierung der Windpockenviren, die nach einer Erkrankung in der Kindheit lebenslang im Körper bleiben. Sie äußert sich als schmerzhafter Hautausschlag und kann langanhaltende Nervenschmerzen hinterlassen. Die STIKO empfiehlt die Impfung mit einem Totimpfstoff für alle Menschen ab 60 Jahren, bei bestimmten Grunderkrankungen bereits ab 50. Der Schutz wird in zwei Dosen aufgebaut.

Pneumokokken sind Bakterien, die eine Lungenentzündung, Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung auslösen können. Auch hier steigt das Risiko für schwere Verläufe im Alter. Die STIKO empfiehlt die Pneumokokkenimpfung als Standard ab 60 Jahren und früher für Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen. Beide Impfungen lassen sich gut mit einem ohnehin anstehenden Arzttermin verbinden.

Impfungen nach Lebenslage und Reise

Manche Impfungen hängen weniger vom Alter ab als von Ihrer persönlichen Situation. Wer nach 1970 geboren ist und in der Kindheit gar nicht oder nur einmal gegen Masern geimpft wurde, sollte laut STIKO eine Impfung mit dem Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff nachholen. Hintergrund sind wiederkehrende Masernausbrüche, die auch für Erwachsene gefährlich werden können.

Chronische Erkrankungen, ein geschwächtes Immunsystem oder bestimmte Berufe können weitere Impfungen sinnvoll machen, etwa gegen Hepatitis. Vor einer Reise lohnt der Blick auf die Zielregion. Je nach Land empfehlen Fachleute Impfungen gegen Hepatitis A, Typhus oder Gelbfieber. Wer sich viel in der Natur aufhält, sollte in FSME-Risikogebieten über eine Impfung gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis nachdenken, die von Zecken übertragen wird. Planen Sie eine reisemedizinische Beratung einige Wochen vor Abflug ein, weil manche Impfungen mehrere Dosen im Abstand von Wochen brauchen.

So holen Sie Versäumtes nach

Ein lückenhafter Impfschutz lässt sich fast immer nachholen. In der Fachsprache gilt der Grundsatz „Jede Impfung zählt“. Eine unterbrochene Impfserie muss also nicht von vorn beginnen, stattdessen ergänzt die Praxis die fehlenden Dosen nach einem individuellen Plan. Nehmen Sie dazu Ihren Impfpass zum nächsten Arztbesuch mit. Die Praxis gleicht die Einträge mit dem aktuellen Impfkalender ab, holt Versäumtes nach und vereinbart bei Bedarf einen Folgetermin für Impfungen, die einen zeitlichen Abstand brauchen.

Die meisten von der STIKO empfohlenen Impfungen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. Auch viele Reiseimpfungen zahlen die Kassen inzwischen, hier lohnt eine kurze Nachfrage vorab. Welche Impfungen für Sie persönlich sinnvoll sind, klären Sie am besten im ärztlichen Gespräch. Das gilt besonders bei chronischen Erkrankungen, in der Schwangerschaft oder bei einem geschwächten Immunsystem. Treten nach einer Impfung anhaltende oder starke Beschwerden auf, lassen Sie sich ärztlich beraten.

Quellen und weiterführende Informationen: die Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut, das Impfportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (impfen-info.de) sowie das unabhängige Gesundheitsportal gesundheitsinformation.de des IQWiG.

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