Im Herbst passiert es leicht: Für die Grippeimpfung ist ein Termin vereinbart, doch kurz vorher beginnen Schnupfen, leichter Husten oder ein Kratzen im Hals. Viele fragen sich dann, ob die Impfung noch sinnvoll und sicher ist. Die kurze Antwort lautet: Bei einem leichten Infekt ohne Fieber ist eine Grippeimpfung häufig möglich. Bei Fieber, deutlichem Krankheitsgefühl oder einer akuten, schwereren Erkrankung wird der Termin in der Regel verschoben.
Entscheidend ist nicht allein, ob ein Symptom vorhanden ist. Wichtig ist das Gesamtbild: Wie stark sind die Beschwerden? Fühlen Sie sich im Alltag weitgehend belastbar? Haben Sie erhöhte Temperatur oder Fieber? Das Impfteam in der Praxis kann Ihre Situation vor Ort einordnen und mit Ihnen entscheiden.
Warum leichte Erkältungsbeschwerden meist kein Ausschlussgrund sind
Ein leichter Infekt der oberen Atemwege ist im Herbst und Winter häufig. Dazu zählen etwa eine laufende oder verstopfte Nase, gelegentliches Niesen, ein mildes Kratzen im Hals oder ein leichter Husten. Wenn kein Fieber besteht und Sie sich insgesamt gut fühlen, steht einer Impfung oft nichts entgegen.
Die Grippeimpfung enthält keinen vermehrungsfähigen Influenzavirus. Sie kann daher keine Grippe auslösen. Das Immunsystem reagiert auf den Impfstoff und baut einen Schutz auf. Ein leichter Schnupfen verhindert diese Immunreaktion normalerweise nicht.
Dennoch gibt es Gründe, offen mit der Praxis zu sprechen:
- Beschwerden können sich seit der Terminvereinbarung verändert haben.
- Hinter vermeintlich milden Erkältungssymptomen kann manchmal eine beginnende stärkere Infektion stecken.
- Bei bestimmten Vorerkrankungen oder einer Behandlung, die das Immunsystem beeinflusst, kann eine individuelle Einschätzung besonders wichtig sein.
Wer nur etwas verschnupft ist, muss einen Termin also nicht vorschnell absagen. Rufen Sie im Zweifel vorher in der Praxis oder Apotheke an und schildern Sie die Beschwerden.
Bei Fieber und deutlichem Krankheitsgefühl besser verschieben
Bei einer akuten Erkrankung mit Fieber wird die Grippeimpfung üblicherweise verschoben. Das gilt auch, wenn Sie sich stark abgeschlagen fühlen, Glieder- oder Kopfschmerzen haben oder der Husten deutlich ausgeprägt ist. Der Grund ist weniger eine grundsätzliche Gefahr durch den Impfstoff. Vielmehr soll der Körper zunächst die akute Erkrankung bewältigen.
Zudem lässt sich bei Fieber und ausgeprägtem Krankheitsgefühl schlechter unterscheiden, ob Beschwerden von der Infektion selbst oder als Impfreaktion auftreten. Nach einer Impfung können für kurze Zeit etwa Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopf- oder Gliederschmerzen auftreten. Wenn solche Symptome bereits bestehen, ist die Einordnung unnötig kompliziert.
Auch bei Magen-Darm-Beschwerden, einer stärkeren Bronchitis oder einer akuten Infektion, die ärztlich behandelt wird, ist es sinnvoll, die Impfung zunächst zurückzustellen. Sobald Sie wieder deutlich genesen sind und kein Fieber mehr haben, kann ein neuer Termin vereinbart werden.
Erkältung, Grippe oder etwas anderes?
Die Begriffe „Erkältung“ und „Grippe“ werden im Alltag oft gleich verwendet, medizinisch sind sie aber nicht dasselbe. Eine Erkältung entwickelt sich häufig schrittweise und betrifft vor allem Nase und Hals. Eine Influenza beginnt dagegen oft plötzlich und kann mit hohem Fieber, starken Muskel- und Gliederschmerzen sowie einem ausgeprägten Krankheitsgefühl einhergehen.
Wer plötzlich schwer krank wird, sollte nicht davon ausgehen, es handele sich nur um eine harmlose Erkältung. Besonders bei älteren Menschen, Schwangeren, kleinen Kindern sowie Menschen mit chronischen Erkrankungen kann eine Influenza schwer verlaufen. Mehr zu typischen Unterschieden lesen Sie im Beitrag Erkältung oder Grippe: Die Unterschiede.
Die Grippeimpfung schützt nicht sofort. Der Körper benötigt nach der Impfung in der Regel etwa zwei Wochen, um einen ausreichenden Immunschutz aufzubauen. Deshalb ist es sinnvoll, den Termin nicht unnötig lange zu verschieben. Wer wegen einer akuten Erkrankung warten muss, kann die Impfung aber häufig nach der Genesung noch nachholen, solange Influenzaviren zirkulieren.
Eine praktische Orientierung für den Impftermin
Die folgenden Punkte ersetzen keine individuelle medizinische Beratung, können aber bei der ersten Einschätzung helfen.
| Beschwerden am Impftag | Was meist sinnvoll ist |
|---|
| Leichter Schnupfen, leichtes Halskratzen, kein Fieber, gutes Allgemeinbefinden | Termin häufig wahrnehmen, Beschwerden vor Ort ansprechen |
| Leichter Husten ohne Atemnot und ohne Fieber | Vorab Praxis oder Apotheke kontaktieren, häufig ist eine Impfung möglich |
| Fieber oder Schüttelfrost | Impfung verschieben und nach Genesung neu planen |
| Starke Abgeschlagenheit, deutliche Glieder- oder Kopfschmerzen | Termin meist verschieben und Beschwerden medizinisch einordnen lassen |
| Starker Husten, Atemnot oder Brustschmerzen | Nicht zum Impftermin gehen, sondern zeitnah ärztlichen Rat einholen |
| Akute Magen-Darm-Erkrankung oder schwere Infektion | Impfung in der Regel verschieben |
Temperatur messen kann helfen, wenn Sie unsicher sind. Eine leicht erhöhte Temperatur ist nicht automatisch Fieber und kann verschiedene Ursachen haben. Wichtig ist auch hier das Befinden: Wer sich krank und ungewöhnlich erschöpft fühlt, sollte dies ernst nehmen, selbst wenn die Temperatur nur gering erhöht ist.
Was Sie der impfenden Stelle sagen sollten
Vor jeder Impfung werden Gesundheitsfragen besprochen. Antworten Sie möglichst konkret, auch wenn die Beschwerden harmlos wirken. Hilfreich sind Angaben dazu,
- seit wann die Symptome bestehen,
- ob Fieber gemessen wurde,
- ob sich die Beschwerden bessern oder verschlechtern,
- welche Medikamente Sie aktuell einnehmen,
- ob in der Vergangenheit starke allergische Reaktionen nach Impfungen aufgetreten sind.
Die impfende Ärztin, der impfende Arzt oder das geschulte Apothekenpersonal entscheidet nicht nach einem einzelnen Symptom, sondern nach der Gesamtsituation. Eine laufende Nase allein ist etwas anderes als ein Infekt, der sich gerade deutlich entwickelt.
Falls Sie bereits einen Termin haben und sich am selben Tag schlechter fühlen als erwartet, sagen Sie lieber frühzeitig Bescheid. So kann die Praxis einschätzen, ob Sie kommen sollen, und gegebenenfalls einen Ersatztermin anbieten.
Für wen die jährliche Grippeimpfung besonders wichtig ist
Die Influenza kann zwar Menschen jeden Alters treffen, das Risiko für Komplikationen ist jedoch nicht gleich verteilt. Besonders empfohlen wird die jährliche Grippeimpfung unter anderem für Menschen ab 60 Jahren, Schwangere, Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen, Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen sowie medizinisches Personal. Auch Personen mit vielen Kontakten zu gefährdeten Menschen können von der Impfung profitieren.
Welche Impfungen in Ihrer persönlichen Situation sinnvoll sind, lässt sich beim Hausarzt, in der gynäkologischen Praxis oder in einer Impfsprechstunde besprechen. Einen Überblick bietet auch unser Beitrag Impfungen für Erwachsene: Was ist nötig?. Die offiziellen Impfempfehlungen werden in Deutschland regelmäßig überprüft und aktualisiert, unter anderem durch das Robert Koch-Institut.
Neben der Grippeimpfung können im Herbst weitere Vorsorgetermine anstehen. Wer regelmäßig ärztliche Untersuchungen wahrnimmt, kann Risiken und bestehende Erkrankungen frühzeitig erkennen lassen. Was beim Check-up 35: Was wird untersucht? passiert, erfahren Sie in unserem Überblick.
Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten
Bei Erkältungsbeschwerden genügt oft Ruhe, ausreichend Flüssigkeit nach Durst und Zeit. Ärztlicher Rat ist jedoch wichtig, wenn Atemnot, Brustschmerzen, anhaltend hohes Fieber, Verwirrtheit, starke Schwäche oder eine deutliche Verschlechterung auftreten. Das gilt besonders für Menschen mit chronischen Herz- oder Lungenerkrankungen, geschwächtem Immunsystem und für ältere Personen.
Auch wenn Beschwerden länger anhalten oder nach einer kurzen Besserung wieder deutlich zunehmen, sollte eine ärztliche Einschätzung erfolgen. Die Frage nach der Impfung kann dann gleich mit geklärt werden.
Ein leichter Schnupfen muss den Schutz vor Influenza also meist nicht verzögern. Bei Fieber oder einem deutlich spürbaren Infekt ist Verschieben dagegen die vernünftigere Entscheidung. Entscheidend ist, die Beschwerden ehrlich anzusprechen, auf den eigenen Zustand zu achten und den Termin nach der Genesung zeitnah nachzuholen.